Das Chaos kommt an Tag 43

Manchmal muss man einfach Mitleid mit den Studenten der prä-digitalen Zeit haben. Für jedes Formular, jede Kleinigkeit mussten sie zum Aspa. Und dort natürlich warten. Wir hingegen genießen die Vorteile einer digitalen Verwaltung: Prüfungsanmeldungen, Studienbescheinigungen, Noteneinsicht. Alles bequem vom Sofa aus. Also zumindest in der Theorie. Besonders die frühe Prüfungsanmeldung löst bei vielen Studenten jedes Jahr aufs Neue eine Depression aus.

Spätestens sechs Wochen nach Semesterbeginn müssen alle Prüfungen angemeldet sein, ansonsten heißt es: Mindestens ein halbes Jahr warten, häufig sogar ein ganzes, weil Seminare teilweise nur alle zwei Semester angeboten werden. Nachträgliche Anmeldung? Geh sofort zum Aspa und nicht über den Professor. Nachträgliche Abmeldung? Computer sagt Nein.

Hausgemachte Probleme

Damit schafft die FSU ein Problem, welches keines sein müsste. An anderen Unis kann man sich bis einen Tag vor den Prüfungen ab- oder anmelden. Selbst Dozenten n- den die strengen Vorgaben anstrengend, die hauptsäch- lich Stress bedeuten, wenn Mitte des Semesters mal wie- der etliche Studenten vergessen haben, sich für die Prü- fungen anzumelden oder lieber keine schreiben wollen. Anträge laufen immer über den Allgemeinen Prüfungs- ausschuss, der jeweils individuell entscheidet. Das funk- tioniert bei dem Einen mehr, bei dem Anderen weniger gut. Ähnlich beim Rücktritt von Prüfungen: Schnell noch eine Trennung oder ein verstorbenes Haustier herbei- fantasiert, um die Klausur nicht mitschreiben zu müssen.

Wenigstens in der Philosophischen Fakultät haben einige das Problem erkannt und in einer Fakultätsratssitzung nun versucht, eine möglichst gute Lösung für alle zu finden. Es könnte also nach langer Zeit zu einer Lösung in dem Kon ikt kommen.

Argumente für eine Verlängerung der Fristen gibt es genug: Es wäre ein Entgegenkommen gegenüber den Studenten, die wegen der Bologna-Reform ohnehin schon sehr viele starre Regeln befolgen sollen. Zwar sagen einige naturwissenschaftliche Fächer, sie bräuchten lange Vorlaufzeiten, um beispielsweise Geräte zur Verfügung zu stellen, aber erstens funktioniert das ja scheinbar bei Zweitversuchen auch ohne diese Zeit und zweitens verschimmeln Mikroskope eher selten.

Der Dachs aus der Hölle

Auch die Behauptung, eine Veränderung der Fristen sei bei Friedolin nicht möglich, ist mehr vorgeschobenes Argument als echte Auseinandersetzung mit dem Problem.
Ein Verwaltungssystem, in dem die Universität keine Gestaltungsmöglichkeiten hat, wäre ein Armutszeugnis und ein Zeichen für noch schwerwiegendere Probleme mit Friedolin.

Überhaupt könnte sich das Aspa durch eine Lockerung der Fristenregelung eine Menge vollkommen über üssiger Anträge sparen und hätte mehr Zeit für die kleinen und großen Probleme der Studenten. Aber das wichtigste Ar- gument wären wohl die rapide abnehmenden Durchfall- quoten, Krankschreibungen und Drittversuche.

Endlich könnten Studenten selbst entscheiden, ob sie sich gut genug für eine Klausur vorbereitet fühlen und ob sie das Modul überhaupt abschließen möchten. Ohne Zwang und ohne das von der Uni in Kauf genommene Chaos.

Erschienen: Akrützel #344

Trollt sie hart!

Meine Replik auf Martin Gieslers „Zurücktrollen ist keine Option

 In den letzten Wochen hat sich in den großen Medienanbietern der Trend entwickelt, Trolle nicht mehr einfach hinzunehmen oder gegebenenfalls zu löschen, sondern sie im Gegenteil zu kontern. Mittel der Wahl ist dabei die Ironie: Der Post wird nicht nur lächerlich gemacht, sondern auf höchst ironische Art und Weise ernst genommen, wie Spiegel Online hier in einem Tweet von August 2014 zeigt.

 Ob es jetzt der „besorgte Bürger“ von XXgida oder der freundliche Aluhutträger von nebenan ist: Das Feindbild Lügenpresse haben sie gemeinsam und tragen das Bild begeistert in die Kommentarspalten der Online-Auftritte, Facebookprofile oder Twittertimelines. Die Texte sind eher inhaltsarm und reichen kaum über Beleidigungen und Ressentiments gegen Migranten oder Verschwörungstheorien (Das Hochkapital!!!!) hinaus.

Bildschirmfoto 2015-01-19 um 12.15.08 Welt Online hat jetzt anscheinend einen neuen Social-Media-Manager, denn seit einiger Zeit wird dort auf den Kreuzzug nicht nur mit „Bitte sachlich bleiben.“ reagiert. Der Schlagabtausch ist super lustig anzusehen und wird durch eine Menge Likes und ermutigende Kommentare belohnt.

 Und hier setzt Martin Giesler ein: Seiner Meinung nach ist dieser Umgang falsch und die Redaktionen sollten lieber den Dialog suchen.

Social Media sollte dafür genutzt werden, um mit den Lesern/Zuschauern wirklich ins Gespräch zu kommen.

 Das ist an sich natürlich vollkommen richtig, denn irgendwie sind die sozialen Netzwerke ja auch dafür gedacht. Martin lässt aber einen Punkt weg, ob er ihn vergisst oder bewusst vernachlässigt, kann ich nicht sagen: Die meisten Poster solcher Kommentare sind an einem Dialog oder Gespräch überhaupt nicht interessiert. Warum auch? Ihr Urteil steht fest: Die Lügenpresse hat natürlich unrecht, ist fremdgesteuert und sowieso total blöd. Man kann mit diesen Menschen nicht mehr reden. Ihr Weltbild hat sich so verfestigt, dass eine Meinungsänderung durch Fakten fast nicht möglich ist.

 Die beanstandeten Artikel sind auch selten faktisch falsch oder strittig, dass der Verfasser mitdiskutieren müsste. Sie entsprechen einfach nicht der Meinung der Trolle, die das lautstark mitteilen wollen.

Grundsätzlich hat Martin natürlich Recht, wenn er sagt:

Social Media sollte also 2015 endlich nicht mehr nur als Werbe-Kanal für das eigene Produkt verstanden werden.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass man Trolle nicht zurück trollen dürfe, sondern im Gegenteil: Man muss es tun. Erstens findet das halbwegs interessierte Leserschaft auf jeden Fall lustig und zweitens schärft die Redaktion damit ihr Profil.

Was aber nicht heißen darf, jede Kritik einfach sarkastisch zu ignorieren. Denn auch hier hat Martin Recht: Gutes Social-Media-Management ist aufwendig und teuer. Und wenn es nötig ist, muss man mit dem Leser ins Gespräch kommen und auch Fehler eingestehen. Ob das jetzt der Autor eines Textes selbst tut oder ein Social-Media-Manager in Absprache spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Kann ich das nochmal sehen?

Es gibt eine Sache, die ich in meiner Zeit beim Akrützel schnell hassen gelernt habe, weil sie in vielen Fällen Probleme bereitet hat: Das Autorisieren von Zitaten. Diese im deutschen Raum verbreitete Praxis verkompliziert viele Vorgänge beim Akrützel enorm und hat bereits zu einer juristischen Auseinandersetzung mit einem Stura-Mitglied geführt.
Was denken die Leute, was ich mit ihren Zitaten mache? Dabei sind diejenigen noch die erträglichsten, die einfach nur noch mal ihre Zitate sehen wollen. Das verstehe ich bis zu einem gewissen Grad auch und erfülle den Wunsch in fast jedem Fall. Aber wenn dann jemand Sätze vollständig verändert und dann auch noch verlangt, dass der Artikel so gedruckt wird, fühle ich mich ziemlich hintergangen. Faktische Fehler natürlich ausgenommen. Wozu führe ich überhaupt das Interview, wenn ich am Ende gar Nichts davon verwenden darf?

Menschen, die keinerlei Erfahrung beim Umgang mit Journalisten haben, kann ich die Angst falsch wiedergegeben zu werden, sogar nachfühlen. „Profis“, wie Politiker oder Pressesprecher, hingegen sind ein ganz anderer Fall. Ihnen muss klar sein, worauf sie sich einlassen und was sie sagen können, wenn das Tonband läuft. Die „Profis“ sind auch die, die hinterher am meisten verändern wollen und manchmal nicht nur den Kontext des Zitats fordern, sondern teilweise auch den gesamten Artikel. Das ist nicht nur eine lächerliche Forderung, sondern würde dem Medium und mir als Journalist jegliche professionelle Integrität nehmen.

Gesetzlich ist die Autorisation über das Recht am eigenen Wort geregelt. Dadurch könnte man rein theoretisch der Veröffentlichung widersprechen. Daraus ist dann die Praxis entstanden, Zitate vor dem Veröffentlichen freigeben lassen, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, aber auch um Fehler zu korrigieren, die erst später bemerkt werden. Das wissen die „Profis“ natürlich und verstehen es die Autorisation für sich auszunutzen.
Was unerfahrene Menschen dazu treibt ihre Zitate oder sogar den Artikel vor Erscheinen lesen zu wollen kann ich nur vermuten: Ich sehe die Boulevard-Medien da nicht ganz unschuldig. Wo BILD, RTL und Co. Sensationsjournalismus betreiben, Persönlichkeitsrechte mit Füßen treten und Menschen der Lächerlichkeit preisgeben, kann nur Misstrauen und Angst gegenüber Journalisten wachsen.
Anfangs dachte ich, mit dem Problem haben wir hauptsächlich als studentische Zeitung zu kämpfen. Aber auch von taz (Hier ein bekannteres Beispiel), mittelhessen.de und Spiegel werden Zitate und ganze Artikel gefordert. So geschehen in einem Interview mit Renate Künast von den Grünen oder Kathrin Nachbaur, die sogar als  österreichische Kanzlerkandidatin im Gespräch war. Sie geht sogar noch weiter und lässt Journalisten eine Erklärung unterschreiben, nach der „der gesamte Interviewtext zur Einsicht und schriftlichen Bestätigung“ an sie gesendet wird. Das gilt auch für Titel und Einleitungstext.

Dabei sprechen Urteile eigentlich für den Journalisten. Gerichte bestätigen die Unabhängigkeit der Medien und nachträglich ist es gar nicht so leicht eine Autorisation zu verlangen. Ist für alle Beteiligten klar, dass es sich um ein Interview für eine Veröffentlichung handelt und die Aufnahme des Ganzen bekannt ist, kann der Interviewte nach dem Interview nicht einfach auf eine Autorisation bestehen. Ganz anders siehts aus, wenn vor dem Interview eine Abmachung getroffen worden ist. Und natürlich steht es jedem frei ein Interview abzulehnen, wenn ich einer Autorisation nicht zustimme.
Ganz anders ist es in den USA, wo eine Autorisation, wie in fast allen angelsächsischen Ländern nicht üblich ist. Dort wird man eher schräg angeschaut, wenn man vorschlägt: „Ich schicke dir die Zitate dann noch.“ Ulrike Langer hat in einem Digitalen Quartett das Thema mal angesprochen. Und obwohl hier bei dem Thema immer aufgeschrien wird, dass dann definitiv und auf jeden Fall nie wieder irgendjemand mit Journalisten reden würde, funktioniert das Pressesystem in den Staaten noch ganz ordentlich. Auch die veröffentlichen Zitate zeigen einen freien und entspannten Umgang mit Interviewern, bei dem genug zitierfähiges Material entsteht und der vergleichbar mit den Verhältnissen in Deutschland ist.
Ulrike Langer beschreibt eine Medienlandschaft, der zwar mit großem Misstrauen begegnet wird, in der aber „genauso viele Interviews gegeben werden“. Allerdings würden Interviews in Amerika selten als Frage-Antwort veröffentlicht, sondern eher im Text als Zitate. Sie berichtet aber auch von Versuchen der Obama-Regierung eine Praxis ähnlich wie in Deutschland einzuführen. Das hat zu Protesten in der Medienlandschaft geführt und wurde öffentlich diskutiert. (Hier und hier) Die Vorteile sieht sie in den umgeschönten Antworten und der schnelleren Veröffentlichung.

Eine Lösung des Problems ist nicht leicht zu finden, weil beide Seiten eine starke Erwartungshaltung an den jeweils Anderen haben. Journalisten sind natürlich an möglichst plakativen Aussagen interessiert und veröffentlichen diese dann auch, aber  der Interviewte muss stets wissen, auf was er sich eingelassen hat: Seine Worte können veröffentlicht werden und er muss gegebenenfalls auch dafür gerade stehen. Deswegen möchte er abgesichert sein. Entweder durch die Autorisation oder wenig aussagekräftige Antworten.

Weiterführende Links:

taz-Artikel: „Unter eins, zwei oder drei“
Medium.magazin: „Zwei Fragen“
Generelle Empfehlung zum Thema: Interviews führen – der Blog

Blogs zum Hören

Vermutlich bin ich 1000 Jahre zu spät und habe den Hype verpasst, aber ich habe ein neues Hobby. Podcasts! In diesem Fall nicht selber machen, sondern hauptsächlich hören. Angefangen hat das Ganze mit Folge 30 von Alternativlos, die ich vor einiger Zeit mal empfohlen bekommen habe, damals noch als Direkt-Download ohne Feed. Darin ging es um SIGINT, Kryptographie und die Crypto Wars. Nerd-Themen, gegenseitiges Getrolle und zynische Kommentare reichen ja eigentlich schon, um mich zu begeistern. Was mich aber dann restlos überzeugt hat, sind die ziemlich symphatischen „Moderatoren“, die auf der einen Seite sehr professionell arbeiten, auf der anderen Seite aber auf herrliche Art und Weise Unwissen mit Wikipedia und Google überdecken. So entstehen Diskussionen und Unterhaltungen, die mein Freundeskreis theoretisch genauso führt. Schnell bei Wikipedia nachgeschlagen und schon ist man Experte.

Was mich grundsätzlich bei Podcasts fasziniert, gilt genauso für Blogs. Die Befreiung von institutionellen Medien (die natürlich nicht uneingeschränkt gilt, aber dazu später mehr) und der Entwicklung von alternativen Verbreitungskanälen. Jeder wird irgendwie zum Sender und konsumiert wird das, was einen interessiert und womit man sich identifizieren kann. Der Unterschied zu einem einfachen Blog bei WordPress, blogger oder tumblr ist aber ein ganz entscheidender: Die Einstiegshürde ist vergleichsweise hoch, in der Produktion, aber auch im Konsum. Man benötigt nicht nur den Computer um einigermaßen professionell zu wirken, sondern wenigstens ein Mikrofon und ein Schneideprogramm. Das macht Podcasts anspruchsvoller in der Produktion. Im Konsum benötigt man einfach Zeit. Die Alternativlosfolgen sind im Durchschnitt 2,5 Stunden lang und die Zeit muss man erstmal aufbringen, während man einen Blogpost auch einfach überfliegen kann. Ich höre Podcasts meist beim Fahrradfahren oder in der Bahn. Da habe ich sowieso nichts besseres zu tun, als meinen Handyakku zu überfordern.

Neben den (halb-)privaten Podcasts gibt es auch fast jede Radioshow der öffentlich-rechtlichen als download- oder abonierbaren Podcast. Hier fällt der individuelle Teil natürlich weg, aber die Qualität der Reportagen entschädigt dafür. Das ARD radiofeature und Hintergrund vom Deutschlandfunk sind gut recherchiert und haben durchweg interessante Themen.

Zusammengefasst: Im Moment höre ich mehr Podcasts als Musik und hab auch noch Spaß dabei.

Der Kampf mit den Einsparungen

Journalismus ist nicht mehr finanzierbar. Die meisten Verlage schreiben rote Zahlen und Zeitungen kämpfen um ihr Überleben. Besonders gut ist der Ausblick auf meinen Traumberuf nicht. Aber es ist schön, dass ich nicht nur Zeitungmachen an der Uni üben kann, sondern auch direkt den Kampf mit den Einsparungen.
Grund dafür sind die massiven Kürzungen des Stura der Uni Jena am Akrützel – Es ist einfach nicht mehr genug Geld da. So amüsant und erfrischend die Geplänkel Akrützel gegen Stura bisher auch immer waren: Jetzt ist die Situation leider existenzbedrohend geworden, nachdem die Haushaltsverhandlungen immer schärfer und chaotischer geführt werden. Da tauchen plötzlich zwei zusätzliche Löcher von 15.000 und 7.000 Euro auf, ein Vorstand tritt nach knapp 3 Monaten im Amt zurück und die Schuld für die Haushaltsmisere wird hin- und hergeschoben. In einem Satz: Stura-Alltag vom feinsten.

Natürlich soll auch beim Akrützel gekürzt werden. Rund 20% sollen wir einsparen. Um dem Wunsch des Stura entgegen zu kommen, haben wir uns in der Redaktion notgedrungen unter anderem dazu entschlossen, auf eine Ausgabe im Januar zu verzichten. Ungefähr 1300 Euro werden durch die wegfallende Ausgabe eingespart.

In den Haushaltslesungen kristallisiert sich aber immer mehr heraus, dass der Stura sich nicht rechtzeitig auf einen Haushalt 2014 einigt. Das hat im Endeffekt eine Sperre der Konten zur Folge. Dem Stura wird der Geldhahn zugedreht. Ähnlich wie es in den USA im Herbst der Fall war, steht nun alles still. Es dürfen „nur rechtlich begründete Verpflichtungen erfüllt sowie unabweisbare Ausgaben bis zur Höhe eines Zwölftels der im abgelaufenen Haushaltsplan veranschlagten Mittel getätigt werden“, wie es in der Thüringer Studienschaftsfinanzierungsordnung heißt. Es bleibt abzuwarten, ob der Stura morgen in der 7. Lesung den Haushalts doch noch beschließt.

Deswegen gibt es jetzt vermutlich gar keine Ausgabe im Januar. Dem tatsächlich ernst gemeinten Tipp des Haushaltsverantwortlichen doch „eine Online Ausgabe“ zu machen, können wir nur ablehnen. Und so recherchieren wir fröhlich ins Ungewisse und warten, ob irgendein Mäzen uns sponsort. (Hallo ZEIT!, Hallo Jeff Bezos!)

Fortsetzung folgt!

Ein Text übers Scheitern

Ich bin gescheitert. An einem Text. Eigentlich kein Problem, denn wer hat nicht schon mal etwas versiebt. Trotzdem wurmt mich das Ganze. Mein erster Essay-artiger Text sollte besser sein, vor allen Dingen da es um mein Lieblingsthema „Internet“ ging. (Für Interessierte ist der Text in der neuen Akrützel zu finden.) Unkonkret, zu sehr in meinem Kopf und total abstrakt soll er sein. Ich könnte hier natürlich ausschweifend erklären, warum ich die Kritik so nicht teile, aber das ist vollkommener Schwachsinn. Ich will hauptsächlich für andere schreiben, nicht nur für mich. Und wenn andere meine Texte scheiße finden, dann ist der Sinn des Textes irgendwie verfehlt. Aber vielleicht muss ich damit leben. Es kann nicht jeder meine Texte toll finden (was nebenbei gesagt auch noch nie der Fall war). Und sowieso, jeder (Möchtegern-)Journalist hat mindestens einen Text in der Schublade, den er lieber nie wieder sehen will. Warum ich mich deswegen so fertig mache? Kritik nagt immer an einem, denn dann habe ich fast immer etwas falsch gemacht. Deswegen sollte das Motto sein, unter dem ich schreibe: Aufstehen, kurz schütteln und weitermachen. Scheitern gehört ja auch immer zum Lernen dazu. Immerhin schreibe ich ja beim Akrützel auch, weil ich die Kritik will. Meine Texte sind eher selten druckreif geschrieben und zu Beginn häufig durcheinander. Deswegen lautet ja der häufigste Ratschlag für Journalismusanfänger auch: Schreiben, schreiben, schreiben!!! Immerhin ist Journalismus ja auch irgendwie ein Handwerk, dass gelernt werden muss.

Meine Medienwoche (5)

Von Veranstaltungen zu twittern, kann anstrengend sein. Wenn es sich dann noch um eine StuRa-Sitzung handelt, kann sich das ganze auch mal zu einer mittelschweren Depression auswachsen. Ich habe das bei der letzten Sitzung mal ausprobiert, weil ich das Konzept eigentlich sehr schön finde. Was dabei rausgekommen ist, hat mich aufs Neue schockiert. Wie da mit dem Geld der Studenten und Studentinnen umgegangen wird und persönliche Konflikte ausgetragen werden, ist leider nicht mal auf den ersten Blick lustig.
Außerdem war gestern das langerwartete Kanzler-Duell. Wenn man den Statistiken glauben darf, war das eher ein Kanzler- und (Vieleicht-)Vizeduell. Das war dann auch mein Eindruck der Diskussion, auch wenn Steinbrück dem natürlich vehement widersprochen hat.
Eine kurze Woche war es und deswegen gibt es diesmal auch weniger Links der Woche:

Journalismus in Krisengebieten und die Ethik
Ich habe Jörg Armbruster, kurz nachdem er in Syrien angeschossen worden ist, bei Anne Will gesehen. Damals berichtete er ziemlich eindringlich über die Zustände im Land und warum er die Gefahren auf sich nahm und Medikamente in umkämpfte Regionen brachte. In einem Interview mit der taz hat er diese Gründe noch mal aufgeführt und mit der Journalistischen Ethik der Neutralität verbunden.

Ist Obama des Mordes an 3000 Menschen schuldig?
Das wirft der Rechtsanwalt Thomas Stadler dem Friedensnobelpreisträger Barack Obama vor. Durch seine Drohnenangriffe würden den Menschen jegliche rechtstaatliche Verhandlung verweigert. Da eigentlich für jeden Menschen die Unschuldsvermutung gilt, also jeder solange unschuldig ist, bis seine Schuld bewiesen ist, sind die Drohnenangriffe nicht zu rechtfertigen. Die Angriffe sind seiner Meinung nach ein Zeichen für den stetigen Rückgang des Rechtstaates bis hin zu einem mittelalterlichen Überwachungsstaat.

Deutschland deine Wahlwerbespots:
Wahlwerbespots gehen ja von lustig bis extrem WTF-lastig. Rayk Anders hat sich in folgendem Video mal die Mühe gemacht, den Wahlwerbespot der CDU Stück für Stück auseinander zu nehmen. Vieles davon hat sie übrigens auch eins zu eins in ihrem Schlusswort des TV-Duells gesagt. „Gute Nacht Deutschland“

Angriff auf den investigativen Journalismus
Der Überwachungsstaat hat etwas gegen investigativen Journalismus. Eigentlich sollte der Staat diesen ja fördern. Tut er natürlich nicht. Im Gegenteil: Jay Rosen vertritt die Meinung, dass er mit der zunehmenden Überwachung und anderen repressiven Maßnahmen diesen viel mehr hemmt. Schwieriger, härter und langsamer soll er sein. Und er vergleicht das Vorgehen mit dem gegen Terrorzellen. Da die nur noch auf sehr langsame Übermittlung von Nachrichten und Informationen zurückgreifen können, sind sie deutlich weniger gefährlich. Das könnte auch dem Journalismus drohen.

6 Monate Freiheit
Zum Abschluss mal was entspannendes: Einfach mal abhauen und durch die Weltgeschichte reisen. Menschen und Länder kennenlernen. Ein Traum für viele Menschen. Zwei Junge Menschen aus den USA haben das jetzt durchgezogen. Herausgekommen ist ein Tumblr-Blog und eine Doku. Fotos und Video sind

Meine Medienwoche (4)

Wut ist eine großartige Emotion. Sie ist meist so stark, dass Hemmungen schneller fallengelassen werden. Dadurch wirkt alles irgendwie ehrlicher und spontaner. Wut ist aber auch eine eher destruktive Emotion. Trotzdem habe ich letzte Woche nichts als Wut empfunden. Wut auf die Nazis, die in Berlin-Hellersdorf vor dem neuen Asylbewerberheim demonstriert haben. Wut auf die Anwohner, die mit größtmöglicher Dummheit überzeugen, wenn sie fragen: „Und wer beschützt uns?“ (vor den Asylbewerbern. A.d.A) 
Gleich am nächsten Tag konnte ich dann einem ähnlich dämlichen Ausdruck der menschlichen Intoleranz beiwohnen: Da wurde ein Zeitungsartikel kommentiert, in dem über die 5000 von Deutschland aufgenommenen syrischen Flüchtlinge berichtet worden ist. Das reiche ja wohl auch! Müsse ja nicht sein. Auf meinen Einwand, dass das nicht besonders viele seien, wurde nur mit einem Achselzucken und „Ansichtssache“ geantwortet. Spontan hatte ich ziemlich Lust, irgendetwas kaputt zu schlagen. Die Wut hatte seine destruktive Seite gezeigt. Ich konnte mich zurückhalten und deswegen gibt es jetzt hier die Links der Woche:

Pressefreiheit ade?
Der britische Geheimdienst hat in einer übertrieben unnötigen Aktion die Zerstörung von Redaktionscomputern des Guardian veranlasst, auf denen Daten des Whistleblowers Snowden gewesen sein sollen. „Total freiwillig“ hat sich die Redaktion zu dieser Aktion entschlossen. Das von den geleakten Dateien natürlich Sicherheitskopien vorhanden sind, ist dem Geheimdienst sicher klar. Die Symbolik dahinter ist aber viel tiefgreifender: „Wir sind der GCHQ, wir scheißen auf deine Pressefreiheit“

Gewalt gegen Polizei nimmt zu
Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und seinen ausführenden Organen. Wer einen Polizisten schlägt, macht sich strafbar. Uns wird ja auch immer eingebläut, bloß Respekt vor den Männern in Grün (inzwischen Blau) zu haben. Udo Vetter nimmt in seinem Beitrag mal die Argumente auseinander, warum Gewalt gegen Polizei zu nimmt und fast das breite Spektrum auf eine gemeinsame Botschaft zusammen: Respekt muss man sich verdienen.

Die Polizei darf deine SMS lesen
Das Thema gab es ja schonmal. Trotz Versicherung, das eben nicht zu tun, haben Polizisten im Handy rumgeschnüffelt. Das ganze bleibt jetzt wohl ohne Folgen: Der Polizist hat sich nicht strafbar gemacht und auch wenn das nicht korrekt war, ist es doch irgendwie in Ordnung. Der Polizist wird so weiter machen können. Schade eigentlich.

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“
Man ist von der BILD ja einiges gewohnt. Jetzt haben die es einmal geschafft, den richtigen Ton zu treffen: Sie schämen sich für den Nazi, der in Berlin die Flüchtlinge mit dem Hitlergruß empfing. Das konnten viele BILD-Leser aber nicht auf sich sitzen lassen: Sie schämen sich nicht. Im Gegenteil! Da werden die rechten Intelligenzbestien ganz wuschig und müssen protestieren. Immerhin sind 60 Jahre ja auch langsam mal genug geschämt. Auf Facebook zeigt sich das ganze Elend der rechten Dummheit und auf Kraftfuttermischwerk gibt es ein Best-of Nazi-Idioten.

Die taz redet nicht gerne schlecht über die Grünen
taz-Chefredakteurin Ines Pohl verhindert einen Artikel von Christian Füller. In diesem sollte er sich kritisch und zugespitzt mit den Vorwürfen der Pädophilie in der Vergangenheit der Grünen auseinandersetzen. Hat er getan. Spoiler: Die Grünen kommen nicht besonders gut dabei weg. Dass der Artikel doch nicht erschienen ist, ist Ines Pohl zu verdanken. Stefan Niggemeier ist doch irgendwie an den Artikel gekommen und nimmt das ganze Theater um den Text auseinander. Außerdem gibt es eine Erklärung von Christian Füller auf seinem Blog.

Meine Medienwoche (3)

Leider eine Woche zu spät, da ich unterwegs war. In der Zwischenzeit hat sich die Welt weitergedreht. Die NSA späht immer noch massiv unsere Daten aus und der Wahlkampf hat sich intensiviert. Hier also die Links der Woche:

Google macht auf Wahlen
Man kann über Google sagen, was man will. Aber mit dieser Unterseite hat Google eine gute Sache gestartet. Eine Übersicht über alle möglichen Diskussionen, Hangouts, News und Videos im Internet. Die etablierten Online-Auftritte der Zeitungen könnten sich meiner Meinung nach eine große Scheibe davon abschneiden.

NSA auf der Suche nach Drogen
Vorletzte Woche habe ich ja schon geschrieben, dass die Leute den Überwachungsskandal erst wahrnehmen, wenn es sie persönlich betrifft. Jetzt ist rausgekommen, dass die erhobenen Daten anscheinend eben nicht nur zur Terrorabwehr genutzt werden. Leider ist die Meldung irgendwie nicht besonders weit verbreitet worden. Schade drum. Dazu auch noch Richard Gutjahr im Gespräch mit einem Mossad-Experten.

Wahlkampf der SPD ist wurstig
Ich steh ja auf lustiges SPD-Gebashe im Netz. Einfach weil die altehrwürdige Arbeiterpartei es immer wieder schafft, jedes Fettnäpfchen mitzunehmen, in dessen Nähe sie auch nur kommt. Wenn es dann noch von einem Parteimitglied stammt, ist es am besten! Yasmina Banaszczuk echauffiert sich hier über Peer Steinbrück und sein Schnitzelabend mit BILD-Mann Kai Diekmann.

Ich bin kein Feminist, aber…
Ganz ehrlich: Dieser Text hat mich getroffen. Da fühlt man sich schon fast schlecht als Mann. Zoë Beck erzählt von ihren Erfahrungen mit Männern. Nicht auf eine „Männer sind doch sowieso alle scheiße“-Art. Einfach nur kurze Geschichten. Genau diese alltäglichen Sachen erschrecken mich so. Ich wünsche keiner Frau eine solche Behandlung.

Raus auf die Straße!
Hannah Beitzer analysiert hier die Jugend Deutschlands und warum sie einfach nicht protestieren geht, wie in anderen Ländern der Welt. Sie macht das recht gut und ich erkenne mich irgendwie wieder. Wir haben keine Zeit mehr, um uns über zu viele Probleme aufzuregen, und zu viele Wege, unseren Zorn auszudrücken. Und deswegen schaffen wir es nicht mehr, irgendetwas gemeinsam zu fordern.

Deutschland und die Sozialen Medien
Deutschland kann es einfach nicht. Wir wollen zu den führenden Industrienationen gehören und der Hochtechnologiestandort schlechthin sein, hängen aber, was Soziale Medien angeht, mindestens zehn Jahre hinterher. Phillip Steuers Text beleuchtet diese Schwäche ziemlich gut, bietet aber wenigstens auch Lösungen an.

Meine Medienwoche (2)

Da macht man einmal die Augen zu und schon ist die Woche wieder vorbei. Hier also meine Linktipps der Woche. Die Nachrichten werden von neuen Enthüllungen im PRISM-Skandal dominiert. Edward Snowden hat für ein Jahr Asyl in Russland bekommen und XKeyscore schneidet fast den gesamten Internetverkehr mit. Auch die Bundesregierung nutzt die Erkenntnisse, die dadurch gewonnen werden. Leider scheint das in Deutschland immer noch niemanden wirklich zu stören. Vermutlich muss erst die Filmindustrie die Herausgabe der Daten fordern, damit die Menschen auf die Straße gehen.

Pornofilter in Großbritannien:
In England setzt man noch auf echte Werte! Deshalb will man jetzt einen standardmäßig eingebauten Pornofilter in jeden Internetanschluss integrieren. Mal abgesehen davon, dass damit hochgradig in die Freiheit der Menschen eingegriffen wird, erschließt sich mir bei bestem Willen der Sinn dahinter nicht. Im Kontext der Entwicklung des Internets fragt man sich, ob eventuell bald das Ende des gewohnten Internets droht.

PRISM und die Prophezeiungen des Assange
Richard Gutjahr vom BR hat vor einiger Zeit Julian Assange interviewt, dessen Antworten heute wie Hohn wirken. Als ob er es die ganze Zeit gewusst hätte. Gutjahr hat ein weiteres sehr gutes Interview zum selben Thema mit dem israelischen Journalisten Ronen Bergman geführt, der eine klare Einschätzung zur Arbeit der Geheimdienste bietet.

Springer verkauft seine Seele (schon wieder):
Da ging schon ein eher großer Schluckauf durch die Medienwelt. Der Springer-Verlag hat für 920 Millionen Euro seine Regionalzeitungen, Programm- und Frauenzeitschriften verkauft. Dieses Schnäppchen konnte sich die Funke-Gruppe (ehemals WAZ) nicht entgehen lassen und schlug zu. Unter anderem gehören jetzt Bild der Frau, Hörzu, das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost zu dem Riesenverlag. In vielen Redaktionen rechnet man bereits jetzt mit massiven Kürzungen und Kündigungen. Thomas Knüwer beleuchtet in seinem Beitrag die Hintergründe zu dem Deal, bei dem Springer selber ganz gut mitverdienen wird und als kleine Motivation gleich einen Teil der Kredite für den Kauf gegeben hat. Einen anderen Blickwinkel hat Christian Jakubetz, der den angeblichen Seelenverkauf ablehnt, den die Medien hinter dem Deal sehen.

Digitales Quartett #40: Die Zukunft der Arbeit:
Am Montag gab es natürlich auch ein neues Digitales Quartett, nachdem hitzebedingt in der vorherigen Woche pausiert wurde. Diesmal ging es um die Zukunft der Arbeit. Diskutiert wurde mit Igor Schwarzmann von ThirdwaveBerlin und Theresa Bücker, Referentin für Digitales bei der SPD. Interessant war es, wie über den mobilen Schreibtisch und den Hausarbeiter gerätselt wurde. Das iPad immer dabei und Arbeitszeiten hören so richtig auch nie auf. Schade fand ich allerdings, dass man die Filterblase doch sehr stark gemerkt hat. Die angesprochenen Phänomene gelten fast nur für Menschen, die in den Medien arbeiten oder Wissen verwerten.

Spiegel: Reich und geizig?
Im neuen Spiegel, der am 5.8 erscheint, gibt es eine Debatte zur Zukunft der Tageszeitung. Dafür gab es anscheinend nicht genügend Autoren im eigenen Haus, weswegen man auf freie Journalisten zurückgreifen wollte. So weit so legitim. Man schrieb also verschiedene Autoren an. Unter anderem auch Daniel Bröckerhoff. Leider wolle man ihm dann doch lieber nichts zahlen. Es sei schließlich ein Debattenbeitrag. Bröckhoff hat das Ganze dann gebloggt und über Twitter verteilt. Es gab eine mittelschwere Diskussion und TADA, auf einmal zahlt der Spiegel trotzdem. Eine amüsante Story mit fadem Beigeschmack.