Kann ich das nochmal sehen?

Es gibt eine Sache, die ich in meiner Zeit beim Akrützel schnell hassen gelernt habe, weil sie in vielen Fällen Probleme bereitet hat: Das Autorisieren von Zitaten. Diese im deutschen Raum verbreitete Praxis verkompliziert viele Vorgänge beim Akrützel enorm und hat bereits zu einer juristischen Auseinandersetzung mit einem Stura-Mitglied geführt.
Was denken die Leute, was ich mit ihren Zitaten mache? Dabei sind diejenigen noch die erträglichsten, die einfach nur noch mal ihre Zitate sehen wollen. Das verstehe ich bis zu einem gewissen Grad auch und erfülle den Wunsch in fast jedem Fall. Aber wenn dann jemand Sätze vollständig verändert und dann auch noch verlangt, dass der Artikel so gedruckt wird, fühle ich mich ziemlich hintergangen. Faktische Fehler natürlich ausgenommen. Wozu führe ich überhaupt das Interview, wenn ich am Ende gar Nichts davon verwenden darf?

Menschen, die keinerlei Erfahrung beim Umgang mit Journalisten haben, kann ich die Angst falsch wiedergegeben zu werden, sogar nachfühlen. „Profis“, wie Politiker oder Pressesprecher, hingegen sind ein ganz anderer Fall. Ihnen muss klar sein, worauf sie sich einlassen und was sie sagen können, wenn das Tonband läuft. Die „Profis“ sind auch die, die hinterher am meisten verändern wollen und manchmal nicht nur den Kontext des Zitats fordern, sondern teilweise auch den gesamten Artikel. Das ist nicht nur eine lächerliche Forderung, sondern würde dem Medium und mir als Journalist jegliche professionelle Integrität nehmen.

Gesetzlich ist die Autorisation über das Recht am eigenen Wort geregelt. Dadurch könnte man rein theoretisch der Veröffentlichung widersprechen. Daraus ist dann die Praxis entstanden, Zitate vor dem Veröffentlichen freigeben lassen, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, aber auch um Fehler zu korrigieren, die erst später bemerkt werden. Das wissen die „Profis“ natürlich und verstehen es die Autorisation für sich auszunutzen.
Was unerfahrene Menschen dazu treibt ihre Zitate oder sogar den Artikel vor Erscheinen lesen zu wollen kann ich nur vermuten: Ich sehe die Boulevard-Medien da nicht ganz unschuldig. Wo BILD, RTL und Co. Sensationsjournalismus betreiben, Persönlichkeitsrechte mit Füßen treten und Menschen der Lächerlichkeit preisgeben, kann nur Misstrauen und Angst gegenüber Journalisten wachsen.
Anfangs dachte ich, mit dem Problem haben wir hauptsächlich als studentische Zeitung zu kämpfen. Aber auch von taz (Hier ein bekannteres Beispiel), mittelhessen.de und Spiegel werden Zitate und ganze Artikel gefordert. So geschehen in einem Interview mit Renate Künast von den Grünen oder Kathrin Nachbaur, die sogar als  österreichische Kanzlerkandidatin im Gespräch war. Sie geht sogar noch weiter und lässt Journalisten eine Erklärung unterschreiben, nach der „der gesamte Interviewtext zur Einsicht und schriftlichen Bestätigung“ an sie gesendet wird. Das gilt auch für Titel und Einleitungstext.

Dabei sprechen Urteile eigentlich für den Journalisten. Gerichte bestätigen die Unabhängigkeit der Medien und nachträglich ist es gar nicht so leicht eine Autorisation zu verlangen. Ist für alle Beteiligten klar, dass es sich um ein Interview für eine Veröffentlichung handelt und die Aufnahme des Ganzen bekannt ist, kann der Interviewte nach dem Interview nicht einfach auf eine Autorisation bestehen. Ganz anders siehts aus, wenn vor dem Interview eine Abmachung getroffen worden ist. Und natürlich steht es jedem frei ein Interview abzulehnen, wenn ich einer Autorisation nicht zustimme.
Ganz anders ist es in den USA, wo eine Autorisation, wie in fast allen angelsächsischen Ländern nicht üblich ist. Dort wird man eher schräg angeschaut, wenn man vorschlägt: „Ich schicke dir die Zitate dann noch.“ Ulrike Langer hat in einem Digitalen Quartett das Thema mal angesprochen. Und obwohl hier bei dem Thema immer aufgeschrien wird, dass dann definitiv und auf jeden Fall nie wieder irgendjemand mit Journalisten reden würde, funktioniert das Pressesystem in den Staaten noch ganz ordentlich. Auch die veröffentlichen Zitate zeigen einen freien und entspannten Umgang mit Interviewern, bei dem genug zitierfähiges Material entsteht und der vergleichbar mit den Verhältnissen in Deutschland ist.
Ulrike Langer beschreibt eine Medienlandschaft, der zwar mit großem Misstrauen begegnet wird, in der aber „genauso viele Interviews gegeben werden“. Allerdings würden Interviews in Amerika selten als Frage-Antwort veröffentlicht, sondern eher im Text als Zitate. Sie berichtet aber auch von Versuchen der Obama-Regierung eine Praxis ähnlich wie in Deutschland einzuführen. Das hat zu Protesten in der Medienlandschaft geführt und wurde öffentlich diskutiert. (Hier und hier) Die Vorteile sieht sie in den umgeschönten Antworten und der schnelleren Veröffentlichung.

Eine Lösung des Problems ist nicht leicht zu finden, weil beide Seiten eine starke Erwartungshaltung an den jeweils Anderen haben. Journalisten sind natürlich an möglichst plakativen Aussagen interessiert und veröffentlichen diese dann auch, aber  der Interviewte muss stets wissen, auf was er sich eingelassen hat: Seine Worte können veröffentlicht werden und er muss gegebenenfalls auch dafür gerade stehen. Deswegen möchte er abgesichert sein. Entweder durch die Autorisation oder wenig aussagekräftige Antworten.

Weiterführende Links:

taz-Artikel: „Unter eins, zwei oder drei“
Medium.magazin: „Zwei Fragen“
Generelle Empfehlung zum Thema: Interviews führen – der Blog

Der Kampf mit den Einsparungen

Journalismus ist nicht mehr finanzierbar. Die meisten Verlage schreiben rote Zahlen und Zeitungen kämpfen um ihr Überleben. Besonders gut ist der Ausblick auf meinen Traumberuf nicht. Aber es ist schön, dass ich nicht nur Zeitungmachen an der Uni üben kann, sondern auch direkt den Kampf mit den Einsparungen.
Grund dafür sind die massiven Kürzungen des Stura der Uni Jena am Akrützel – Es ist einfach nicht mehr genug Geld da. So amüsant und erfrischend die Geplänkel Akrützel gegen Stura bisher auch immer waren: Jetzt ist die Situation leider existenzbedrohend geworden, nachdem die Haushaltsverhandlungen immer schärfer und chaotischer geführt werden. Da tauchen plötzlich zwei zusätzliche Löcher von 15.000 und 7.000 Euro auf, ein Vorstand tritt nach knapp 3 Monaten im Amt zurück und die Schuld für die Haushaltsmisere wird hin- und hergeschoben. In einem Satz: Stura-Alltag vom feinsten.

Natürlich soll auch beim Akrützel gekürzt werden. Rund 20% sollen wir einsparen. Um dem Wunsch des Stura entgegen zu kommen, haben wir uns in der Redaktion notgedrungen unter anderem dazu entschlossen, auf eine Ausgabe im Januar zu verzichten. Ungefähr 1300 Euro werden durch die wegfallende Ausgabe eingespart.

In den Haushaltslesungen kristallisiert sich aber immer mehr heraus, dass der Stura sich nicht rechtzeitig auf einen Haushalt 2014 einigt. Das hat im Endeffekt eine Sperre der Konten zur Folge. Dem Stura wird der Geldhahn zugedreht. Ähnlich wie es in den USA im Herbst der Fall war, steht nun alles still. Es dürfen „nur rechtlich begründete Verpflichtungen erfüllt sowie unabweisbare Ausgaben bis zur Höhe eines Zwölftels der im abgelaufenen Haushaltsplan veranschlagten Mittel getätigt werden“, wie es in der Thüringer Studienschaftsfinanzierungsordnung heißt. Es bleibt abzuwarten, ob der Stura morgen in der 7. Lesung den Haushalts doch noch beschließt.

Deswegen gibt es jetzt vermutlich gar keine Ausgabe im Januar. Dem tatsächlich ernst gemeinten Tipp des Haushaltsverantwortlichen doch „eine Online Ausgabe“ zu machen, können wir nur ablehnen. Und so recherchieren wir fröhlich ins Ungewisse und warten, ob irgendein Mäzen uns sponsort. (Hallo ZEIT!, Hallo Jeff Bezos!)

Fortsetzung folgt!

Ein Text übers Scheitern

Ich bin gescheitert. An einem Text. Eigentlich kein Problem, denn wer hat nicht schon mal etwas versiebt. Trotzdem wurmt mich das Ganze. Mein erster Essay-artiger Text sollte besser sein, vor allen Dingen da es um mein Lieblingsthema „Internet“ ging. (Für Interessierte ist der Text in der neuen Akrützel zu finden.) Unkonkret, zu sehr in meinem Kopf und total abstrakt soll er sein. Ich könnte hier natürlich ausschweifend erklären, warum ich die Kritik so nicht teile, aber das ist vollkommener Schwachsinn. Ich will hauptsächlich für andere schreiben, nicht nur für mich. Und wenn andere meine Texte scheiße finden, dann ist der Sinn des Textes irgendwie verfehlt. Aber vielleicht muss ich damit leben. Es kann nicht jeder meine Texte toll finden (was nebenbei gesagt auch noch nie der Fall war). Und sowieso, jeder (Möchtegern-)Journalist hat mindestens einen Text in der Schublade, den er lieber nie wieder sehen will. Warum ich mich deswegen so fertig mache? Kritik nagt immer an einem, denn dann habe ich fast immer etwas falsch gemacht. Deswegen sollte das Motto sein, unter dem ich schreibe: Aufstehen, kurz schütteln und weitermachen. Scheitern gehört ja auch immer zum Lernen dazu. Immerhin schreibe ich ja beim Akrützel auch, weil ich die Kritik will. Meine Texte sind eher selten druckreif geschrieben und zu Beginn häufig durcheinander. Deswegen lautet ja der häufigste Ratschlag für Journalismusanfänger auch: Schreiben, schreiben, schreiben!!! Immerhin ist Journalismus ja auch irgendwie ein Handwerk, dass gelernt werden muss.

Re:publica re:view

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, dass ich auf der Re:publica war. Deswegen gibt es hier jetzt mal einen kleinen Rückblick mit den für mich interessantesten Sessions. Glücklicherweise gibt es die komplette Re:publica zum Nachschauen auf Youtube.

Die Geschichte des Computers:

Horst Zuse ist der Sohn des Computererfinders Konrad Zuse und erklärt die Erfindung seines Vaters. Gespickt mit vielen kleinen Anekdoten aus der Zeit der Entwicklung der ersten Computer, wird hier die Geschichte des ersten Computers schön dargestellt. Am schönsten fand ich, dass Konrad Zuse mit den späteren Computern wohl gar nicht mehr so richtig warm wurde.

Netzkultur vs Urheberrecht

Am Anfang stand das Kuchenbild. Einer Schlange täuschend ähnlich sah der Kuchen aus und wurde in allen sozialen Netzwerken herumgereicht. Nachdem auch einige Blogger das Bild benutzten, bekamen sie recht schnell Post von einer Anwaltskanzlei mit deftigen Abmahngebühren. Die Welten des Urheberrechts und der Netzkultur des Teilens trafen aufeinander. In dieser Session diskutierten unter anderem der Blogger René Walter von nerdcore über den Sinn und Unsinn des aktuellen Urheberrechts.

Netzgemüse: The Kids Are Alright

Zwischendurch mal ein großartiger Rant. Gegen die Alten, die Lehrer und überhaupt gegen das System. Kurz, lustig und meiner Meinung nach ziemlich treffend. Im Stil eines Poetry Slams machen Johnny und Tanja Haeusler, die Organisatoren der Re:publica, Werbung für eine aufgeklärte Internetjugend.

Analoges Digitales Quartett

Überraschenderweise dann doch digitaler als gedacht, aber mit selbstgebauten Twitter! Überraschungsgäste und Wer-Bin-Ich Spiel war auch dabei.

Die Digital Natives ziehen in den Krieg

Ein eher ernstes Thema vorgestellt von Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow. Der eine ist Blogger und sicherheitspolitischer Journalist, der andere Reserveoffizier der Bundeswehr. Dieses Spannungsverhältnis hat den Vortrag sehr gut und ausgewogen gemacht. Aufgelockert mit einigen Scherzen und Videos, war das insgesamt eine sehr informative Session, bei der ich mich zum Ende sogar durchringen konnte, eine Frage zu stellen. (Vimeo weil Youtube in Deutschland dank GEMA sperrt!)

Sascha Lobo – Überraschungsvortrag II

Wenn der Papst der deutschen Netzwelt spricht, dann ist die Halle meistens ziemlich voll. Und so war es auch diesmal. Überfüllt geradezu. Diesmal hat er uns keine Absolution erteilt, sondern angetrieben. „Macht!“ war seine Forderung. Herr Lobo hat natürlich direkt damit angefangen und sein neues Projekt vorgestellt. Reclaim soll uns dabei helfen wieder die Kontrolle über unsere Daten, die wir täglich ins Netz stellen zu bekommen. Natürlich bestand der Vortrag aus gewohnt markigen Sprüchen, teilweise sehr philosophisch. UND KATZENBILDER!


Cat Memes

MEHR KATZENBILDER! Kate Miltner hat ihre Doktorarbeit über Memes geschrieben und forscht seitdem auf diesem Feld. Ihre Session bestand hauptsächlich aus Katzenbildern und trägt diese auch wunderbar sympathisch vor. Mit Wettbewerb zwischen berühmten Cat-Memes. Hauptsächlich aber MEHR KATZENBILDER!

10 Vorschläge um die Welt zu verbessern

Zum Abschluss und um mal etwas Praktisches zu zeigen, dann Felix Schwenzels zehn Vorschläge die Welt besser zu machen! Allesamt vollkommen praktikabel und todernst gemeint!

Alles in allem hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt. Ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wieder hinfahren, ob dann mit Blogger-Ticket oder wieder als Helfer wird sich dann zeigen. So viele Menschen mit so ähnlichen Interessen und Zielen auf einem Haufen zu treffen, ist ziemlich faszinierend.

Am Anfang war re:publica

Wenn an einem Ort mehr MacBooks stehen, als ich zählen kann, die Smartphonedichte unmessbar wird, auf Namensschildern der Twitteraccount steht und Quadrocopter durch die Hallen fliegen, dann ist re:publica!
Hier trifft sich das deutsche Internet. Die einzige Konferenz in Europa auf der „sich das gesamte Spektrum der Digitalen Gesellschaft trifft!“ Manche nennen es einfach die Blogger-Konferenz, aber eigentlich ist es noch ein wenig mehr. Auch Start-Ups und Firmen mit digitalem Schwerpunkt sind hier vertreten. Auf Vorträgen, Workshops und Diskussionen wird alles rund um das Leben im und mit dem Internet behandelt. Und ich bin dabei. Da ich mir aber kein Ticket für 150 € leisten kann, habe ich einmal für knapp 6 Stunden Leuten auf die Handgelenke geschaut und sie nach dem Eintrittsbändchen gefragt. Dadurch konnte ich mir meinen Eintritt verdienen und außerdem jede Menge Menschen beobachten. Menschen, die sich vermutlich noch mehr als ich mit dem Internet beschäftigen. Und ich liebe es.

Eingangshalle

Eingangshalle

Was mir als erstes aufgefallen ist, dass erstaunlich viele Menschen da waren, denen man die digitale Verrücktheit auf den ersten Blick nicht ansieht und schon etwas älter sind. Natürlich auch eine Menge „digital natives“, aber halt nicht nur. Überall sieht man Menschen, die sich unterhalten und wenn man mit einem Ohr zuhört, gehen die meisten Gespräche um Kundenakquisition, neue Technik, die schlechte Zahlungsmoral der Kunden oder um das nächste geplante Projekt. Networking ist das Zauberwort, das immer wieder fällt. Und ich mittendrin. Zuerst ein wenig überwältigt, habe ich mir schnell einen kleinen Überblick verschafft und bin heute Mittag zu meinem ersten Workshop gegangen.
Thema: Sketchnotes. Sketchnotes sind eine Hilfe um Vorträge, Videos oder Gedanken mit Strichbildern oder Piktogrammen zu visualisieren und leicht verständlich zu machen. Ich dachte mir, da könnte ich natürlich was für den Rest der re:publica mitnehmen. Zum Anfang sind uns ein paar Beispiele gezeigt worden, welche Möglichkeiten es gibt Effekte, wie Schatten oder „Geschwindigkeitslinien“ zu verwenden, welche Ordnungen sinnvoll sind und wie man Text einbinden kann. Hier mal ein Beispiel, wie das bei mir aussieht:

Tareks Sketchnotes

An mir ist wirklich kein Künstler verloren gegangen und ehrlich gesagt bin ich etwa skeptisch, wie mir das bei einem Vortrag helfen soll. Aber es wurde uns auch gesagt: Übung macht den Meister und am Ende wird alles gut. Übrigens gehörte ich mit Stift und Papier einer Minderheit an. Die meisten haben ihre Tablets benutzt!

Ein sehr interessantes Zwischenspiel war dann die Geschichte des Computers, erzählt von dem Sohn des Z4-Erfinders Konrad Zuse. Schöne Präsentation und auch lustig erzählt. Anscheinend mochte Konrad Zuse, der aus Blech den ersten Computer der Welt zusammengebaut hat, die späteren PC’s nicht besonders, sie ihn aber auch nicht.

Schließlich hab dann noch ein Vortrag über Mass-Customization von der Zufallsshirt Gründerin Kathrin Passig, über den ich hier jetzt aber nichts weiter schreiben werde, aber deren Idee ich unglaublich lustig finde.

Insgesamt war mein erster Tag re:publica fantastisch. Zwar konnte ich noch nicht so viele Sessions mitnehmen, was aber auch nur halb so schlimm war. Morgen gehts weiter und ich freue mich unglaublich Thomas Knüwer, Ulrike Langer und Daniel Fiene vom digitalen Quartett live auf der Bühne zu sehen, nachdem ich sie alle heute bereits in die Hallen lassen durfte. Auf ein fröhliches MacBook zählen und Steckdosen belagern.

 

PS: Dieser Beitrag ist ein wenig anders, als meine bisherigen Beiträge. Das ist zum einen der Sache geschuldet und zum anderen möchte ich hier einfach meine Erfahrung auf der re:publica niederschreiben.

Schreiben auf Reisen

Der letzte Blogeintrag ist schon eine ganze Weile her und ich hab auch ein schlechtes Gewissen deswegen. Es gab eine neue Akrützel-Ausgabe und ich war viel in Deutschland unterwegs. Und wie immer hat mich die Deutsche Bahn an mein Ziel gebracht, mehr oder weniger pünktlich. Ich mag lange Zugfahrten eigentlich sehr gerne, weil ich meistens einiges schaffe. Oder es zumindest versuche.
Besonders schreiben kann ich im Zug sehr gut. Mein Laptop ist für vernünftiges Arbeiten zwar zu groß, aber zum schreiben reicht zum Glück ja auch Papier und Stift. Größere Projekte auf Reisen zu verwirklichen, erfordert etwas mehr Vorbereitung und vor allen Dingen Equipment.

Da Journalisten für Recherche meist noch deutlich mehr unterwegs sind und dabei auch noch Deadlines einzuhalten haben, ist die richtige Ausrüstung noch wichtiger. Ein kleinerer Laptop wäre für mich ein Anfang. Im Zug geht dann meist der Krieg um die Steckdosen los, der teilweise bizarre Züge annimmt, wenn zwei Anzugträger über die Relevanz ihrer Arbeit diskutieren und versuchen sich in Wichtigkeit zu übertreffen. Wer vollkommen unabhängig vom Strom sein will, dem empfehle ich den iTyper von Richard Gutjahr, der nicht nur das Akkuproblem gelöst, sondern auch die Lösung für renitente Flugbegleiterinnen gefunden hat.
Wenn man sich dann mit dem Mitreisenden auf eine faire Verteilung der Ressource Strom geeinigt hat, dann stellt sich das nächste Problem in den Weg. Wie soll man heute noch ohne Internet richtig arbeiten? Als Lösung empfiehlt sich hier entweder ein UMTS-Stick und ein Gebet an die Empfangsgötter. Alternativ empfiehlt sich die Tethering-Funktion, die bei den meisten Smartphones Standard ist.

Strom und Internet hat man dann schon mal. Meist reist man aber nicht alleine. Ich scheine dazu immer das Glück zu haben, in dem Wagen zu sitzen, der entweder von einer Reisegruppe schwerhöriger Rentner oder einer Familie mit gefühlten tausend Kindern besetzt ist. Abhilfe schaffen hier geräuschdämpfende Kopfhörer mit der Lieblingsmusik. Da ich nun schon einiges an Kopfhörern durch hab und nach sechs Stunden Zugfahrt bisher jeder On-Ear Kopfhörer irgendwann weh tat, benutze ich seitdem In-Ear Kopfhörer. Ab 50 Euro gibt es ziemlich gute Systeme, die auch die Gespräche über die letzte Kaffeefahrt blocken. Wer mehr investieren möchte, der kann auch deutlich mehr ausgeben und sich für 300 Euro Bose-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung kaufen. Da kommt definitiv kein störendes Geräusch durch.

So gerüstet kann man dann entspannt und (meist) produktiv arbeiten. Und der Vorteil des Empfangflickenteppichs in Deutschland ist, dass vernünftiges Prokrastinieren auch irgendwie keinen Spaß macht.
Interessierten und Menschen, die noch deutlich mehr auf Reisen machen, als schreiben, dem kann ich die beiden Blog-Einträge von Richard Gutjahr empfehlen, der seine gesamte Blogger-Tasche auspackt. (Eintrag 1, Eintrag 2)

Ich kenn da wen!

Vitamin B, Networking, Kontakte sind nur drei Namen für denselben Schuh. Genau das fällt mir persönlich aber sehr schwer. Ich halte mich für einen aufgeschlossenen, offenen, interessierten Menschen und habe selten ein Problem damit auf Menschen zu zugehen. Das Ganze dann als „beruflichen Kontakt“ abzuspeichern und zu pflegen finde ich dann aber sehr schwer. Mir ist durchaus bewusst, dass sowas immer mit einer Gegenseitigkeit verbunden ist und auch beide Seiten von dem Kontakt profitieren können. Ich weiß irgendwie nicht so genau, warum ausgerechnet ich ein guter Kontakt sein sollte, was ich „fordern“, aber auch bieten könnte. Deswegen versuche ich mich im Moment mit ein wenig Profil-Buffing, was von uns Bachelorstudenten ja sowieso, während des Studiums schon erwartet wird. Im ZEIT Campus Ratgeber zum Berufseinstieg ist das jedenfalls immer wieder Thema.

Im Internet boomen gleichzeitig die professionellen Netzwerke wie LinkedIn, XING, oder besonders im Medienbereich, kressköpfe. Immer wieder wird damit geworben Kontakte zu vermitteln und das eigene Profil für eine steile Karriere fit zu machen. Die Hoffnung von einem Headhunter entdeckt zu werden treibt viele in diese Netzwerke. Und auch meine neue Lieblingsseite zum Thema Geldverdienen Lousypennies befiehlt mir geradezu: „Vernetzt euch mit allem und jedem“! Funktioniert das wirklich? Oder geht man in dem Meer von Profilen unter, ist doch wieder nur einer unter Vielen? Klar, solche Netzwerke verlangen immer auch Aktivität, aber bleibt bei so viel Netzwerken überhaupt noch Zeit zum Arbeiten?

Natürlich ist die Karriere nicht immer nur Ziel von den Netzwerken. Ich bin auf ein super interessantes Projekt gestoßen. JungeJournalisten.de versteht sich als Community, in der man sich untereinander unterstützt und Erfahrungen austauscht. Ich glaube, dass das Konzept der gegenseitigen Hilfe eine wunderbare Chance für die Teilnehmer bietet und man kann dort viel lernen kann. Meine Bewerbung schreibe ich auf jeden Fall gerade.

Aber professionelle Kontakte sind nur Teil meines Problems Networking. Als Journalist sollte ich auch immer auf einen großen Pool von Informanten zurückgreifen können. Solche sammelt man natürlich mit der Zeit und auch dem eigenen Ruf innerhalb der Branche. Trotzdem ist mir die Vorstellung eines zum Bersten gefüllten Telefonbuchs mit unzähligen abrufbaren Informanten irgendwie fremd.

Ich beziehe einen Großteil meiner Informationen aus dem Internet, über unzählige Kanäle. Ich bin durchaus der Meinung, dabei ein breites Spektrum an relevanten Informationen zu bekommen. Recherche beginnt bei mir im Netz und endet meist mit einem Interview oder einem Besuch. Danach speichere ich den Kontakt dann unter „erledigt“ in meinem Kopf ab und stelle ihn aufs Abstellgleis. Vielleicht sollte ich anfangen, so etwas wie eine Kontaktdatei anzulegen, in der ich so etwas sichere, um auch später noch guten Zugriff darauf zu haben.

So betrachtet, scheint Networking eine super Sache zu sein, von der alle Beteiligten nur profitieren können. Trotzdem hat für mich das ganze immer einen bitteren Beigeschmack. Wörter wie Vetternwirtschaft und Seilschaften fallen mir bei dem Thema sofort ein. Der Dumme ist dabei derjenige, der außen vor bleibt. Sicherlich ist das online weniger ein Problem, aber in der Wirtschaft und der Politik ist das meiner Meinung nach nicht nur gefährlich, sondern auch hochgradig kontraproduktiv, weil viele gute Ideen einfach nicht angehört werden. Da das ganze natürlich immer irgendwie im Schatten stattfindet, ist eine Kontrolle der Auswirkungen leider nicht möglich, aber im Bezug auf Lobbyismus ist lobbyplag ganz oben dabei. Vielleicht dramatisiere ich das Problem ein wenig und falls ich irgendwann mal auf einen eigenen Schatz an Kontakten zurückgreifen kann, finde ich das überhaupt nicht mehr schlimm, weil es da draußen in der bösen, kalten Welt nunmal so läuft. Aber das hoffe ich nicht und glaube, dass man Kontakte gut nutzen kann, ohne sie auszunutzen.

Was für mich bleibt, ist die Erkenntnis, dass ich schlecht im Netzwerken bin. Trotzdem erkenne ich die Wichtigkeit eines guten Kontaktes an und gelobe Besserung! Es heißt ja nicht umsonst, dass Einsicht der erste Schritt ist!

Too much information!

Nur noch eben schnell die Twitter-Timeline aktualisiert. Oh, Spiegel hat ne Push aufs Smartphone gesendet. Ach dann kann ich ja auch noch mal eben schnell Facebook checken und ins E-Mail-Fach schauen.

Was sich als klassische Prokrastination anhört, rechtfertige ich vor mir selber häufig mit „Recherche“ und der Notwendigkeit, dass ich doch immer „up to date“ sein müsse. Wenn ich dann Abends ins Bett gehe und den Tag so Revue geschehen lasse, dann stellt sich mir oft die Frage, ob ich die Informationen, die ich tagsüber so aufgenommen habe auch gebraucht habe und ob sie mich weitergebracht haben. Verarbeite ich überhaupt alles? Oder vergesse ich die Hälfte am nächsten Tag sofort wieder und vom Rest kann ich nur noch oberflächliche Infos abrufen.

Ich lese zur Zeit etwa 15 Blogs, folge auf Twitter 91 Accounts und meine Facebook-Timeline will auch gelesen werden. Dazu kommen diverse News-Seiten, die ich regelmäßig aktualisiere. Selbst auf den ganzen Tag verteilt, sind das eine ganz schöne Menge an Informationen, die da auf mich niederprasseln. Nun besteht mein Leben (noch) nicht aus der täglichen Arbeit und ich bin auch (noch) nicht darauf angewiesen jeden Tag eine bestimmte Menge an Texten zu produzieren. Deswegen kann ich schlecht einschätzen, wie das später im Berufsleben des Journalisten wird und ob mein täglicher Konsum „normal“ ist oder sich dann doch als Prokrastination entpuppt.

Viele Journalisten, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen, bestätigen aber meinen Verdacht, dass das Problem sich nicht ergibt. Gerade als Freiberufler oder im home-office muss man sehr genau abwägen, welche Informationen man nun braucht um seine Arbeit gut zu machen. Und die Social-Media Seiten sind da ein großes zweites Kapitel.
Auf LousyPennies ist dazu quasi ein Leitfaden entstanden. Eine Serie zur Steigerung der eigenen Effizienz, von deren Tipps ich jetzt schon einiges in meinen Tagesablauf eingebaut habe. Andrea Ege empfiehlt in dem Artikel die Entwicklung von Routinen und besonders der Arbeit mit To-Do Listen. Das fällt mir immer noch sehr schwer, da gerade die ja immer wieder aktualisiert werden wollen. Abarbeiten geht dann recht gut, auch wenn ich mich immer mal „eben kurz“ ablenken lasse. Ich hoffe aber, dass mit der Zeit die Disziplin kommt.

Auf die Selbsterziehung setze ich da mit einer App, die ich (wie kann es auch anders sein) auf Twitter empfohlen bekommen habe. Mit StayFocusd (Hier die Chrome Erweiterung) kann man sich Seiten für eine bestimmte Zeit sperren lassen. Gerade habe ich zum Beispiel Twitter, Facebook und Google+ für eine halbe Stunde gesperrt, um diesen Post hier konzentriert fertig schreiben zu können. Funktioniert super, auch wenn das Smartphone doch immer wieder lockt. Bleiben also nur die Nachrichtenseiten und die Blogs, aber da ist die Angst „etwas zu verpassen“ dann doch nicht so groß und ich kann mich beherrschen. Solche kleinen Helfer kann ich also jedem nur nahe legen, der wie ich ein klitzekleines Problem mit der Aufmerksamkeit hat. Funktionieren übrigens auch super in der Bibliothek beim Hausarbeit schreiben!

Die Frage, wie viele Informationen ich jetzt brauche, kann ich trotz toller Ideen und der Strukturierung meiner Arbeit für mich selber immer noch nicht beantworten. Ich glaube da steckt einfach sehr sehr viel Erfahrung hinter und sicher auch der ein oder andere Rückschlag, wenn man was verpasst hat oder eine Deadline überschreitet, weil man zu abgelenkt war. Ich probiere mich weiter aus und lese mal viel, mal wenig und wenns mir zu viel wird, bleibt mir immer noch den Laptop zuzuklappen und zu Notizbuch und Stift zu greifen.