Ich kenn da wen!

Vitamin B, Networking, Kontakte sind nur drei Namen für denselben Schuh. Genau das fällt mir persönlich aber sehr schwer. Ich halte mich für einen aufgeschlossenen, offenen, interessierten Menschen und habe selten ein Problem damit auf Menschen zu zugehen. Das Ganze dann als „beruflichen Kontakt“ abzuspeichern und zu pflegen finde ich dann aber sehr schwer. Mir ist durchaus bewusst, dass sowas immer mit einer Gegenseitigkeit verbunden ist und auch beide Seiten von dem Kontakt profitieren können. Ich weiß irgendwie nicht so genau, warum ausgerechnet ich ein guter Kontakt sein sollte, was ich „fordern“, aber auch bieten könnte. Deswegen versuche ich mich im Moment mit ein wenig Profil-Buffing, was von uns Bachelorstudenten ja sowieso, während des Studiums schon erwartet wird. Im ZEIT Campus Ratgeber zum Berufseinstieg ist das jedenfalls immer wieder Thema.

Im Internet boomen gleichzeitig die professionellen Netzwerke wie LinkedIn, XING, oder besonders im Medienbereich, kressköpfe. Immer wieder wird damit geworben Kontakte zu vermitteln und das eigene Profil für eine steile Karriere fit zu machen. Die Hoffnung von einem Headhunter entdeckt zu werden treibt viele in diese Netzwerke. Und auch meine neue Lieblingsseite zum Thema Geldverdienen Lousypennies befiehlt mir geradezu: „Vernetzt euch mit allem und jedem“! Funktioniert das wirklich? Oder geht man in dem Meer von Profilen unter, ist doch wieder nur einer unter Vielen? Klar, solche Netzwerke verlangen immer auch Aktivität, aber bleibt bei so viel Netzwerken überhaupt noch Zeit zum Arbeiten?

Natürlich ist die Karriere nicht immer nur Ziel von den Netzwerken. Ich bin auf ein super interessantes Projekt gestoßen. JungeJournalisten.de versteht sich als Community, in der man sich untereinander unterstützt und Erfahrungen austauscht. Ich glaube, dass das Konzept der gegenseitigen Hilfe eine wunderbare Chance für die Teilnehmer bietet und man kann dort viel lernen kann. Meine Bewerbung schreibe ich auf jeden Fall gerade.

Aber professionelle Kontakte sind nur Teil meines Problems Networking. Als Journalist sollte ich auch immer auf einen großen Pool von Informanten zurückgreifen können. Solche sammelt man natürlich mit der Zeit und auch dem eigenen Ruf innerhalb der Branche. Trotzdem ist mir die Vorstellung eines zum Bersten gefüllten Telefonbuchs mit unzähligen abrufbaren Informanten irgendwie fremd.

Ich beziehe einen Großteil meiner Informationen aus dem Internet, über unzählige Kanäle. Ich bin durchaus der Meinung, dabei ein breites Spektrum an relevanten Informationen zu bekommen. Recherche beginnt bei mir im Netz und endet meist mit einem Interview oder einem Besuch. Danach speichere ich den Kontakt dann unter „erledigt“ in meinem Kopf ab und stelle ihn aufs Abstellgleis. Vielleicht sollte ich anfangen, so etwas wie eine Kontaktdatei anzulegen, in der ich so etwas sichere, um auch später noch guten Zugriff darauf zu haben.

So betrachtet, scheint Networking eine super Sache zu sein, von der alle Beteiligten nur profitieren können. Trotzdem hat für mich das ganze immer einen bitteren Beigeschmack. Wörter wie Vetternwirtschaft und Seilschaften fallen mir bei dem Thema sofort ein. Der Dumme ist dabei derjenige, der außen vor bleibt. Sicherlich ist das online weniger ein Problem, aber in der Wirtschaft und der Politik ist das meiner Meinung nach nicht nur gefährlich, sondern auch hochgradig kontraproduktiv, weil viele gute Ideen einfach nicht angehört werden. Da das ganze natürlich immer irgendwie im Schatten stattfindet, ist eine Kontrolle der Auswirkungen leider nicht möglich, aber im Bezug auf Lobbyismus ist lobbyplag ganz oben dabei. Vielleicht dramatisiere ich das Problem ein wenig und falls ich irgendwann mal auf einen eigenen Schatz an Kontakten zurückgreifen kann, finde ich das überhaupt nicht mehr schlimm, weil es da draußen in der bösen, kalten Welt nunmal so läuft. Aber das hoffe ich nicht und glaube, dass man Kontakte gut nutzen kann, ohne sie auszunutzen.

Was für mich bleibt, ist die Erkenntnis, dass ich schlecht im Netzwerken bin. Trotzdem erkenne ich die Wichtigkeit eines guten Kontaktes an und gelobe Besserung! Es heißt ja nicht umsonst, dass Einsicht der erste Schritt ist!

Too much information!

Nur noch eben schnell die Twitter-Timeline aktualisiert. Oh, Spiegel hat ne Push aufs Smartphone gesendet. Ach dann kann ich ja auch noch mal eben schnell Facebook checken und ins E-Mail-Fach schauen.

Was sich als klassische Prokrastination anhört, rechtfertige ich vor mir selber häufig mit „Recherche“ und der Notwendigkeit, dass ich doch immer „up to date“ sein müsse. Wenn ich dann Abends ins Bett gehe und den Tag so Revue geschehen lasse, dann stellt sich mir oft die Frage, ob ich die Informationen, die ich tagsüber so aufgenommen habe auch gebraucht habe und ob sie mich weitergebracht haben. Verarbeite ich überhaupt alles? Oder vergesse ich die Hälfte am nächsten Tag sofort wieder und vom Rest kann ich nur noch oberflächliche Infos abrufen.

Ich lese zur Zeit etwa 15 Blogs, folge auf Twitter 91 Accounts und meine Facebook-Timeline will auch gelesen werden. Dazu kommen diverse News-Seiten, die ich regelmäßig aktualisiere. Selbst auf den ganzen Tag verteilt, sind das eine ganz schöne Menge an Informationen, die da auf mich niederprasseln. Nun besteht mein Leben (noch) nicht aus der täglichen Arbeit und ich bin auch (noch) nicht darauf angewiesen jeden Tag eine bestimmte Menge an Texten zu produzieren. Deswegen kann ich schlecht einschätzen, wie das später im Berufsleben des Journalisten wird und ob mein täglicher Konsum „normal“ ist oder sich dann doch als Prokrastination entpuppt.

Viele Journalisten, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen, bestätigen aber meinen Verdacht, dass das Problem sich nicht ergibt. Gerade als Freiberufler oder im home-office muss man sehr genau abwägen, welche Informationen man nun braucht um seine Arbeit gut zu machen. Und die Social-Media Seiten sind da ein großes zweites Kapitel.
Auf LousyPennies ist dazu quasi ein Leitfaden entstanden. Eine Serie zur Steigerung der eigenen Effizienz, von deren Tipps ich jetzt schon einiges in meinen Tagesablauf eingebaut habe. Andrea Ege empfiehlt in dem Artikel die Entwicklung von Routinen und besonders der Arbeit mit To-Do Listen. Das fällt mir immer noch sehr schwer, da gerade die ja immer wieder aktualisiert werden wollen. Abarbeiten geht dann recht gut, auch wenn ich mich immer mal „eben kurz“ ablenken lasse. Ich hoffe aber, dass mit der Zeit die Disziplin kommt.

Auf die Selbsterziehung setze ich da mit einer App, die ich (wie kann es auch anders sein) auf Twitter empfohlen bekommen habe. Mit StayFocusd (Hier die Chrome Erweiterung) kann man sich Seiten für eine bestimmte Zeit sperren lassen. Gerade habe ich zum Beispiel Twitter, Facebook und Google+ für eine halbe Stunde gesperrt, um diesen Post hier konzentriert fertig schreiben zu können. Funktioniert super, auch wenn das Smartphone doch immer wieder lockt. Bleiben also nur die Nachrichtenseiten und die Blogs, aber da ist die Angst „etwas zu verpassen“ dann doch nicht so groß und ich kann mich beherrschen. Solche kleinen Helfer kann ich also jedem nur nahe legen, der wie ich ein klitzekleines Problem mit der Aufmerksamkeit hat. Funktionieren übrigens auch super in der Bibliothek beim Hausarbeit schreiben!

Die Frage, wie viele Informationen ich jetzt brauche, kann ich trotz toller Ideen und der Strukturierung meiner Arbeit für mich selber immer noch nicht beantworten. Ich glaube da steckt einfach sehr sehr viel Erfahrung hinter und sicher auch der ein oder andere Rückschlag, wenn man was verpasst hat oder eine Deadline überschreitet, weil man zu abgelenkt war. Ich probiere mich weiter aus und lese mal viel, mal wenig und wenns mir zu viel wird, bleibt mir immer noch den Laptop zuzuklappen und zu Notizbuch und Stift zu greifen.