Schreiben auf Reisen

Der letzte Blogeintrag ist schon eine ganze Weile her und ich hab auch ein schlechtes Gewissen deswegen. Es gab eine neue Akrützel-Ausgabe und ich war viel in Deutschland unterwegs. Und wie immer hat mich die Deutsche Bahn an mein Ziel gebracht, mehr oder weniger pünktlich. Ich mag lange Zugfahrten eigentlich sehr gerne, weil ich meistens einiges schaffe. Oder es zumindest versuche.
Besonders schreiben kann ich im Zug sehr gut. Mein Laptop ist für vernünftiges Arbeiten zwar zu groß, aber zum schreiben reicht zum Glück ja auch Papier und Stift. Größere Projekte auf Reisen zu verwirklichen, erfordert etwas mehr Vorbereitung und vor allen Dingen Equipment.

Da Journalisten für Recherche meist noch deutlich mehr unterwegs sind und dabei auch noch Deadlines einzuhalten haben, ist die richtige Ausrüstung noch wichtiger. Ein kleinerer Laptop wäre für mich ein Anfang. Im Zug geht dann meist der Krieg um die Steckdosen los, der teilweise bizarre Züge annimmt, wenn zwei Anzugträger über die Relevanz ihrer Arbeit diskutieren und versuchen sich in Wichtigkeit zu übertreffen. Wer vollkommen unabhängig vom Strom sein will, dem empfehle ich den iTyper von Richard Gutjahr, der nicht nur das Akkuproblem gelöst, sondern auch die Lösung für renitente Flugbegleiterinnen gefunden hat.
Wenn man sich dann mit dem Mitreisenden auf eine faire Verteilung der Ressource Strom geeinigt hat, dann stellt sich das nächste Problem in den Weg. Wie soll man heute noch ohne Internet richtig arbeiten? Als Lösung empfiehlt sich hier entweder ein UMTS-Stick und ein Gebet an die Empfangsgötter. Alternativ empfiehlt sich die Tethering-Funktion, die bei den meisten Smartphones Standard ist.

Strom und Internet hat man dann schon mal. Meist reist man aber nicht alleine. Ich scheine dazu immer das Glück zu haben, in dem Wagen zu sitzen, der entweder von einer Reisegruppe schwerhöriger Rentner oder einer Familie mit gefühlten tausend Kindern besetzt ist. Abhilfe schaffen hier geräuschdämpfende Kopfhörer mit der Lieblingsmusik. Da ich nun schon einiges an Kopfhörern durch hab und nach sechs Stunden Zugfahrt bisher jeder On-Ear Kopfhörer irgendwann weh tat, benutze ich seitdem In-Ear Kopfhörer. Ab 50 Euro gibt es ziemlich gute Systeme, die auch die Gespräche über die letzte Kaffeefahrt blocken. Wer mehr investieren möchte, der kann auch deutlich mehr ausgeben und sich für 300 Euro Bose-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung kaufen. Da kommt definitiv kein störendes Geräusch durch.

So gerüstet kann man dann entspannt und (meist) produktiv arbeiten. Und der Vorteil des Empfangflickenteppichs in Deutschland ist, dass vernünftiges Prokrastinieren auch irgendwie keinen Spaß macht.
Interessierten und Menschen, die noch deutlich mehr auf Reisen machen, als schreiben, dem kann ich die beiden Blog-Einträge von Richard Gutjahr empfehlen, der seine gesamte Blogger-Tasche auspackt. (Eintrag 1, Eintrag 2)