Re:publica re:view

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, dass ich auf der Re:publica war. Deswegen gibt es hier jetzt mal einen kleinen Rückblick mit den für mich interessantesten Sessions. Glücklicherweise gibt es die komplette Re:publica zum Nachschauen auf Youtube.

Die Geschichte des Computers:

Horst Zuse ist der Sohn des Computererfinders Konrad Zuse und erklärt die Erfindung seines Vaters. Gespickt mit vielen kleinen Anekdoten aus der Zeit der Entwicklung der ersten Computer, wird hier die Geschichte des ersten Computers schön dargestellt. Am schönsten fand ich, dass Konrad Zuse mit den späteren Computern wohl gar nicht mehr so richtig warm wurde.

Netzkultur vs Urheberrecht

Am Anfang stand das Kuchenbild. Einer Schlange täuschend ähnlich sah der Kuchen aus und wurde in allen sozialen Netzwerken herumgereicht. Nachdem auch einige Blogger das Bild benutzten, bekamen sie recht schnell Post von einer Anwaltskanzlei mit deftigen Abmahngebühren. Die Welten des Urheberrechts und der Netzkultur des Teilens trafen aufeinander. In dieser Session diskutierten unter anderem der Blogger René Walter von nerdcore über den Sinn und Unsinn des aktuellen Urheberrechts.

Netzgemüse: The Kids Are Alright

Zwischendurch mal ein großartiger Rant. Gegen die Alten, die Lehrer und überhaupt gegen das System. Kurz, lustig und meiner Meinung nach ziemlich treffend. Im Stil eines Poetry Slams machen Johnny und Tanja Haeusler, die Organisatoren der Re:publica, Werbung für eine aufgeklärte Internetjugend.

Analoges Digitales Quartett

Überraschenderweise dann doch digitaler als gedacht, aber mit selbstgebauten Twitter! Überraschungsgäste und Wer-Bin-Ich Spiel war auch dabei.

Die Digital Natives ziehen in den Krieg

Ein eher ernstes Thema vorgestellt von Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow. Der eine ist Blogger und sicherheitspolitischer Journalist, der andere Reserveoffizier der Bundeswehr. Dieses Spannungsverhältnis hat den Vortrag sehr gut und ausgewogen gemacht. Aufgelockert mit einigen Scherzen und Videos, war das insgesamt eine sehr informative Session, bei der ich mich zum Ende sogar durchringen konnte, eine Frage zu stellen. (Vimeo weil Youtube in Deutschland dank GEMA sperrt!)

Sascha Lobo – Überraschungsvortrag II

Wenn der Papst der deutschen Netzwelt spricht, dann ist die Halle meistens ziemlich voll. Und so war es auch diesmal. Überfüllt geradezu. Diesmal hat er uns keine Absolution erteilt, sondern angetrieben. „Macht!“ war seine Forderung. Herr Lobo hat natürlich direkt damit angefangen und sein neues Projekt vorgestellt. Reclaim soll uns dabei helfen wieder die Kontrolle über unsere Daten, die wir täglich ins Netz stellen zu bekommen. Natürlich bestand der Vortrag aus gewohnt markigen Sprüchen, teilweise sehr philosophisch. UND KATZENBILDER!


Cat Memes

MEHR KATZENBILDER! Kate Miltner hat ihre Doktorarbeit über Memes geschrieben und forscht seitdem auf diesem Feld. Ihre Session bestand hauptsächlich aus Katzenbildern und trägt diese auch wunderbar sympathisch vor. Mit Wettbewerb zwischen berühmten Cat-Memes. Hauptsächlich aber MEHR KATZENBILDER!

10 Vorschläge um die Welt zu verbessern

Zum Abschluss und um mal etwas Praktisches zu zeigen, dann Felix Schwenzels zehn Vorschläge die Welt besser zu machen! Allesamt vollkommen praktikabel und todernst gemeint!

Alles in allem hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt. Ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wieder hinfahren, ob dann mit Blogger-Ticket oder wieder als Helfer wird sich dann zeigen. So viele Menschen mit so ähnlichen Interessen und Zielen auf einem Haufen zu treffen, ist ziemlich faszinierend.

Am Anfang war re:publica

Wenn an einem Ort mehr MacBooks stehen, als ich zählen kann, die Smartphonedichte unmessbar wird, auf Namensschildern der Twitteraccount steht und Quadrocopter durch die Hallen fliegen, dann ist re:publica!
Hier trifft sich das deutsche Internet. Die einzige Konferenz in Europa auf der „sich das gesamte Spektrum der Digitalen Gesellschaft trifft!“ Manche nennen es einfach die Blogger-Konferenz, aber eigentlich ist es noch ein wenig mehr. Auch Start-Ups und Firmen mit digitalem Schwerpunkt sind hier vertreten. Auf Vorträgen, Workshops und Diskussionen wird alles rund um das Leben im und mit dem Internet behandelt. Und ich bin dabei. Da ich mir aber kein Ticket für 150 € leisten kann, habe ich einmal für knapp 6 Stunden Leuten auf die Handgelenke geschaut und sie nach dem Eintrittsbändchen gefragt. Dadurch konnte ich mir meinen Eintritt verdienen und außerdem jede Menge Menschen beobachten. Menschen, die sich vermutlich noch mehr als ich mit dem Internet beschäftigen. Und ich liebe es.

Eingangshalle

Eingangshalle

Was mir als erstes aufgefallen ist, dass erstaunlich viele Menschen da waren, denen man die digitale Verrücktheit auf den ersten Blick nicht ansieht und schon etwas älter sind. Natürlich auch eine Menge „digital natives“, aber halt nicht nur. Überall sieht man Menschen, die sich unterhalten und wenn man mit einem Ohr zuhört, gehen die meisten Gespräche um Kundenakquisition, neue Technik, die schlechte Zahlungsmoral der Kunden oder um das nächste geplante Projekt. Networking ist das Zauberwort, das immer wieder fällt. Und ich mittendrin. Zuerst ein wenig überwältigt, habe ich mir schnell einen kleinen Überblick verschafft und bin heute Mittag zu meinem ersten Workshop gegangen.
Thema: Sketchnotes. Sketchnotes sind eine Hilfe um Vorträge, Videos oder Gedanken mit Strichbildern oder Piktogrammen zu visualisieren und leicht verständlich zu machen. Ich dachte mir, da könnte ich natürlich was für den Rest der re:publica mitnehmen. Zum Anfang sind uns ein paar Beispiele gezeigt worden, welche Möglichkeiten es gibt Effekte, wie Schatten oder „Geschwindigkeitslinien“ zu verwenden, welche Ordnungen sinnvoll sind und wie man Text einbinden kann. Hier mal ein Beispiel, wie das bei mir aussieht:

Tareks Sketchnotes

An mir ist wirklich kein Künstler verloren gegangen und ehrlich gesagt bin ich etwa skeptisch, wie mir das bei einem Vortrag helfen soll. Aber es wurde uns auch gesagt: Übung macht den Meister und am Ende wird alles gut. Übrigens gehörte ich mit Stift und Papier einer Minderheit an. Die meisten haben ihre Tablets benutzt!

Ein sehr interessantes Zwischenspiel war dann die Geschichte des Computers, erzählt von dem Sohn des Z4-Erfinders Konrad Zuse. Schöne Präsentation und auch lustig erzählt. Anscheinend mochte Konrad Zuse, der aus Blech den ersten Computer der Welt zusammengebaut hat, die späteren PC’s nicht besonders, sie ihn aber auch nicht.

Schließlich hab dann noch ein Vortrag über Mass-Customization von der Zufallsshirt Gründerin Kathrin Passig, über den ich hier jetzt aber nichts weiter schreiben werde, aber deren Idee ich unglaublich lustig finde.

Insgesamt war mein erster Tag re:publica fantastisch. Zwar konnte ich noch nicht so viele Sessions mitnehmen, was aber auch nur halb so schlimm war. Morgen gehts weiter und ich freue mich unglaublich Thomas Knüwer, Ulrike Langer und Daniel Fiene vom digitalen Quartett live auf der Bühne zu sehen, nachdem ich sie alle heute bereits in die Hallen lassen durfte. Auf ein fröhliches MacBook zählen und Steckdosen belagern.

 

PS: Dieser Beitrag ist ein wenig anders, als meine bisherigen Beiträge. Das ist zum einen der Sache geschuldet und zum anderen möchte ich hier einfach meine Erfahrung auf der re:publica niederschreiben.