Meine Medienwoche (4)

Wut ist eine großartige Emotion. Sie ist meist so stark, dass Hemmungen schneller fallengelassen werden. Dadurch wirkt alles irgendwie ehrlicher und spontaner. Wut ist aber auch eine eher destruktive Emotion. Trotzdem habe ich letzte Woche nichts als Wut empfunden. Wut auf die Nazis, die in Berlin-Hellersdorf vor dem neuen Asylbewerberheim demonstriert haben. Wut auf die Anwohner, die mit größtmöglicher Dummheit überzeugen, wenn sie fragen: „Und wer beschützt uns?“ (vor den Asylbewerbern. A.d.A) 
Gleich am nächsten Tag konnte ich dann einem ähnlich dämlichen Ausdruck der menschlichen Intoleranz beiwohnen: Da wurde ein Zeitungsartikel kommentiert, in dem über die 5000 von Deutschland aufgenommenen syrischen Flüchtlinge berichtet worden ist. Das reiche ja wohl auch! Müsse ja nicht sein. Auf meinen Einwand, dass das nicht besonders viele seien, wurde nur mit einem Achselzucken und „Ansichtssache“ geantwortet. Spontan hatte ich ziemlich Lust, irgendetwas kaputt zu schlagen. Die Wut hatte seine destruktive Seite gezeigt. Ich konnte mich zurückhalten und deswegen gibt es jetzt hier die Links der Woche:

Pressefreiheit ade?
Der britische Geheimdienst hat in einer übertrieben unnötigen Aktion die Zerstörung von Redaktionscomputern des Guardian veranlasst, auf denen Daten des Whistleblowers Snowden gewesen sein sollen. „Total freiwillig“ hat sich die Redaktion zu dieser Aktion entschlossen. Das von den geleakten Dateien natürlich Sicherheitskopien vorhanden sind, ist dem Geheimdienst sicher klar. Die Symbolik dahinter ist aber viel tiefgreifender: „Wir sind der GCHQ, wir scheißen auf deine Pressefreiheit“

Gewalt gegen Polizei nimmt zu
Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und seinen ausführenden Organen. Wer einen Polizisten schlägt, macht sich strafbar. Uns wird ja auch immer eingebläut, bloß Respekt vor den Männern in Grün (inzwischen Blau) zu haben. Udo Vetter nimmt in seinem Beitrag mal die Argumente auseinander, warum Gewalt gegen Polizei zu nimmt und fast das breite Spektrum auf eine gemeinsame Botschaft zusammen: Respekt muss man sich verdienen.

Die Polizei darf deine SMS lesen
Das Thema gab es ja schonmal. Trotz Versicherung, das eben nicht zu tun, haben Polizisten im Handy rumgeschnüffelt. Das ganze bleibt jetzt wohl ohne Folgen: Der Polizist hat sich nicht strafbar gemacht und auch wenn das nicht korrekt war, ist es doch irgendwie in Ordnung. Der Polizist wird so weiter machen können. Schade eigentlich.

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“
Man ist von der BILD ja einiges gewohnt. Jetzt haben die es einmal geschafft, den richtigen Ton zu treffen: Sie schämen sich für den Nazi, der in Berlin die Flüchtlinge mit dem Hitlergruß empfing. Das konnten viele BILD-Leser aber nicht auf sich sitzen lassen: Sie schämen sich nicht. Im Gegenteil! Da werden die rechten Intelligenzbestien ganz wuschig und müssen protestieren. Immerhin sind 60 Jahre ja auch langsam mal genug geschämt. Auf Facebook zeigt sich das ganze Elend der rechten Dummheit und auf Kraftfuttermischwerk gibt es ein Best-of Nazi-Idioten.

Die taz redet nicht gerne schlecht über die Grünen
taz-Chefredakteurin Ines Pohl verhindert einen Artikel von Christian Füller. In diesem sollte er sich kritisch und zugespitzt mit den Vorwürfen der Pädophilie in der Vergangenheit der Grünen auseinandersetzen. Hat er getan. Spoiler: Die Grünen kommen nicht besonders gut dabei weg. Dass der Artikel doch nicht erschienen ist, ist Ines Pohl zu verdanken. Stefan Niggemeier ist doch irgendwie an den Artikel gekommen und nimmt das ganze Theater um den Text auseinander. Außerdem gibt es eine Erklärung von Christian Füller auf seinem Blog.

Meine Medienwoche (3)

Leider eine Woche zu spät, da ich unterwegs war. In der Zwischenzeit hat sich die Welt weitergedreht. Die NSA späht immer noch massiv unsere Daten aus und der Wahlkampf hat sich intensiviert. Hier also die Links der Woche:

Google macht auf Wahlen
Man kann über Google sagen, was man will. Aber mit dieser Unterseite hat Google eine gute Sache gestartet. Eine Übersicht über alle möglichen Diskussionen, Hangouts, News und Videos im Internet. Die etablierten Online-Auftritte der Zeitungen könnten sich meiner Meinung nach eine große Scheibe davon abschneiden.

NSA auf der Suche nach Drogen
Vorletzte Woche habe ich ja schon geschrieben, dass die Leute den Überwachungsskandal erst wahrnehmen, wenn es sie persönlich betrifft. Jetzt ist rausgekommen, dass die erhobenen Daten anscheinend eben nicht nur zur Terrorabwehr genutzt werden. Leider ist die Meldung irgendwie nicht besonders weit verbreitet worden. Schade drum. Dazu auch noch Richard Gutjahr im Gespräch mit einem Mossad-Experten.

Wahlkampf der SPD ist wurstig
Ich steh ja auf lustiges SPD-Gebashe im Netz. Einfach weil die altehrwürdige Arbeiterpartei es immer wieder schafft, jedes Fettnäpfchen mitzunehmen, in dessen Nähe sie auch nur kommt. Wenn es dann noch von einem Parteimitglied stammt, ist es am besten! Yasmina Banaszczuk echauffiert sich hier über Peer Steinbrück und sein Schnitzelabend mit BILD-Mann Kai Diekmann.

Ich bin kein Feminist, aber…
Ganz ehrlich: Dieser Text hat mich getroffen. Da fühlt man sich schon fast schlecht als Mann. Zoë Beck erzählt von ihren Erfahrungen mit Männern. Nicht auf eine „Männer sind doch sowieso alle scheiße“-Art. Einfach nur kurze Geschichten. Genau diese alltäglichen Sachen erschrecken mich so. Ich wünsche keiner Frau eine solche Behandlung.

Raus auf die Straße!
Hannah Beitzer analysiert hier die Jugend Deutschlands und warum sie einfach nicht protestieren geht, wie in anderen Ländern der Welt. Sie macht das recht gut und ich erkenne mich irgendwie wieder. Wir haben keine Zeit mehr, um uns über zu viele Probleme aufzuregen, und zu viele Wege, unseren Zorn auszudrücken. Und deswegen schaffen wir es nicht mehr, irgendetwas gemeinsam zu fordern.

Deutschland und die Sozialen Medien
Deutschland kann es einfach nicht. Wir wollen zu den führenden Industrienationen gehören und der Hochtechnologiestandort schlechthin sein, hängen aber, was Soziale Medien angeht, mindestens zehn Jahre hinterher. Phillip Steuers Text beleuchtet diese Schwäche ziemlich gut, bietet aber wenigstens auch Lösungen an.

Meine Medienwoche (2)

Da macht man einmal die Augen zu und schon ist die Woche wieder vorbei. Hier also meine Linktipps der Woche. Die Nachrichten werden von neuen Enthüllungen im PRISM-Skandal dominiert. Edward Snowden hat für ein Jahr Asyl in Russland bekommen und XKeyscore schneidet fast den gesamten Internetverkehr mit. Auch die Bundesregierung nutzt die Erkenntnisse, die dadurch gewonnen werden. Leider scheint das in Deutschland immer noch niemanden wirklich zu stören. Vermutlich muss erst die Filmindustrie die Herausgabe der Daten fordern, damit die Menschen auf die Straße gehen.

Pornofilter in Großbritannien:
In England setzt man noch auf echte Werte! Deshalb will man jetzt einen standardmäßig eingebauten Pornofilter in jeden Internetanschluss integrieren. Mal abgesehen davon, dass damit hochgradig in die Freiheit der Menschen eingegriffen wird, erschließt sich mir bei bestem Willen der Sinn dahinter nicht. Im Kontext der Entwicklung des Internets fragt man sich, ob eventuell bald das Ende des gewohnten Internets droht.

PRISM und die Prophezeiungen des Assange
Richard Gutjahr vom BR hat vor einiger Zeit Julian Assange interviewt, dessen Antworten heute wie Hohn wirken. Als ob er es die ganze Zeit gewusst hätte. Gutjahr hat ein weiteres sehr gutes Interview zum selben Thema mit dem israelischen Journalisten Ronen Bergman geführt, der eine klare Einschätzung zur Arbeit der Geheimdienste bietet.

Springer verkauft seine Seele (schon wieder):
Da ging schon ein eher großer Schluckauf durch die Medienwelt. Der Springer-Verlag hat für 920 Millionen Euro seine Regionalzeitungen, Programm- und Frauenzeitschriften verkauft. Dieses Schnäppchen konnte sich die Funke-Gruppe (ehemals WAZ) nicht entgehen lassen und schlug zu. Unter anderem gehören jetzt Bild der Frau, Hörzu, das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost zu dem Riesenverlag. In vielen Redaktionen rechnet man bereits jetzt mit massiven Kürzungen und Kündigungen. Thomas Knüwer beleuchtet in seinem Beitrag die Hintergründe zu dem Deal, bei dem Springer selber ganz gut mitverdienen wird und als kleine Motivation gleich einen Teil der Kredite für den Kauf gegeben hat. Einen anderen Blickwinkel hat Christian Jakubetz, der den angeblichen Seelenverkauf ablehnt, den die Medien hinter dem Deal sehen.

Digitales Quartett #40: Die Zukunft der Arbeit:
Am Montag gab es natürlich auch ein neues Digitales Quartett, nachdem hitzebedingt in der vorherigen Woche pausiert wurde. Diesmal ging es um die Zukunft der Arbeit. Diskutiert wurde mit Igor Schwarzmann von ThirdwaveBerlin und Theresa Bücker, Referentin für Digitales bei der SPD. Interessant war es, wie über den mobilen Schreibtisch und den Hausarbeiter gerätselt wurde. Das iPad immer dabei und Arbeitszeiten hören so richtig auch nie auf. Schade fand ich allerdings, dass man die Filterblase doch sehr stark gemerkt hat. Die angesprochenen Phänomene gelten fast nur für Menschen, die in den Medien arbeiten oder Wissen verwerten.

Spiegel: Reich und geizig?
Im neuen Spiegel, der am 5.8 erscheint, gibt es eine Debatte zur Zukunft der Tageszeitung. Dafür gab es anscheinend nicht genügend Autoren im eigenen Haus, weswegen man auf freie Journalisten zurückgreifen wollte. So weit so legitim. Man schrieb also verschiedene Autoren an. Unter anderem auch Daniel Bröckerhoff. Leider wolle man ihm dann doch lieber nichts zahlen. Es sei schließlich ein Debattenbeitrag. Bröckhoff hat das Ganze dann gebloggt und über Twitter verteilt. Es gab eine mittelschwere Diskussion und TADA, auf einmal zahlt der Spiegel trotzdem. Eine amüsante Story mit fadem Beigeschmack.